Schnörkellos oder mit Schreibschrift

Schnörkellos ins Leben“ schrieb der Tagesspiegel am 1. Juli und fasst darunter Wichtiges zur Debatte über die richtige Lernschrift für Schulanfänger zusammen. Adelheid Müller-Lissner hat gründlicher recherchiert, als viele andere Journalisten bisher. Sie zitiert Guido Nottbusch (Professor in Potsdam), der meint, es würde die meisten Kinder nicht motorisch überfordern, Druckschrift und nachfolgend Schreibschrift zu lernen. Sie zitiert Ursula Bredel (Professorin in Hildesheim), die anführt:

„… die verbundene Schrift erlaubt es den Kindern, schreibmotorische Bewegungen auszuführen, die sprachlich bedeutsamen Einheiten entsprechen.“

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Schreibschrift ohne Versuchskaninchen

An vielen Schulen lernen Kinder keine Schreibschrift mehr! Die Welt am Sonntag stimmt heute in den Chor der Medien ein, die das beklagen. Matthias Heine hat auf einer ganzen Seite nicht nur die gängigen Vorurteile aufgelesen und ins übliche Einerseits-Andrerseits-Schema geordnet. Er hat neu recherchiert, von aktuellen Erkenntnissen in der New York Times berichtet und mit Ursula Bredel eine Professorin zu Wort kommen lassen, deren Skepsis gegenüber dem Grundschrift-Konzept bisher von den Medien weitgehend übergangen wurde. Weiterlesen

Grundschrift schadet

„Der Grundschulverband schlägt vor, auf den Erwerb einer verbundenen Ausgangsschrift zu verzichten und rät zur Verwendung der Grundschrift, die es den Kindern erlaubt, Buchstabenformen und -kombinationen möglichst individuell zu gestalten. Dieser Vorschlag ist von der Forschung bislang nicht gedeckt. Und bisherige Untersuchungen zum Handschreiberwerb (exemplarisch Hasert 1998, Nottbusch 2008) geben Anlass zur Skepsis: Beim Handschreiberwerb bilden sich graphomotorische Bewegungsabläufe heraus, die systematisch über den Einzelbuchstaben hinausweisen.“ Aus einem Gutachten der Sprachwissenschaftlerin Ursula Bredel vor dem Landtag in NRW, abzurufen ist es hier

Und darum kann man sagen, die Grundschrift schade den Kindern? Ursula Bredel sagt das ja nicht so direkt. Sie äußert Skepsis gegenüber dem Verzicht auf eine verbundene Ausgangsschrift. Man kann diese Skepsis aber getrost in die folgende Warnung übersetzen: Wenn der Anfangsunterricht nicht dafür sorgt, dass die Kinder sich eine echte Schreibschrift aneignen, dann entgeht ihnen ein wesentlicher Vorteil der Schreibschrift, nämlich die Ausbildung von Bewegungsabläufen, in denen die Buchstaben häufig richtig geschriebener Silben oder Morpheme einander fließend und „wie von selbst“ folgen. Eine Quelle von Rechtschreibsicherheit, aus der wir schöpfen, wenn wir schreibend dem Gedächtnis unserer Hand vertrauen.