Grundschrift – die Presseschau

Das Hamburger Abendblatt berichtete 8/2011, dass Bildungsministerin Annette Schavan Bedenken gegen die Grundschrift hat. Schavan äußerte sich mehrfach kritisch gegen die Grundschrift. Unter anderem in der BILD-Zeitung, als sie sagte:

Gerade im Zeitalter von PC und iPad ist die Entwicklung einer persönlichen Schreibschrift etwas Kostbares.
Lesbar ist meine Handschrift bis heute. Und auch heute gratuliere ich nicht per SMS, sondern mit handgeschriebenen Briefen auf schönem Papier.

Die Kölner Internetzeitung griff die Berichte der FAS zur Grundschrift auf. Auch kleine Blätter wie die Berliner Umschau taten dies. Weiterlesen

Pro und Contra Grundschrift

Ute Andresen findet sie falsch, Hans Brügelmann will sie unbedingt einführen. Auf Spiegel Online haben sich die beiden über die neue Schrift in den Diskurs gestürzt. Ute Andresen meint,

„Wer Kinder mit der Grundschrift auf die Freiheit verpflichtet, sich Buchstaben und deren Verbindung weitgehend selbst beizubringen, macht sie zu Versuchskaninchen.“

Hans Brügelmann kontert: 

„Die Kinder lernen also dreimal hintereinander schreiben. Dem soll unsere Grundschrift abhelfen.“

Die taz, die Grundschrift, die Schreibschrift und ihr Ende

Ute Andresen hat bereits 2010 eine Artikelfolge in der tageszeitung, taz zu Grundschrift und Schreibschrift veröffentlicht.

Sie erkärte in einer zweiteiligen Folge die Bedeutung der Schreibschrift. Sie tat das hier und hier auf der Bildungsseite der taz, die tageszeitung.

Sie zeigte zudem, dass es bei einer Schrift eben nicht nur um die Schrift geht, sondern um die ökonomischen Interessen, die – vor allem für den Grundschulverband und seine Macher – damit verbunden sind. Darüber hat Andresen nochmal geschrieben: Wer profitiert wirklich von der neuen Schrift. 

Wie viele Hand-Schriften braucht der Mensch?

Wenn man dem Grundschulverband glauben kann: nur eine! Nämlich seine Grundschrift. Ich meine: Man braucht drei! Wobei die zweite aus der ersten und dann die dritte aus der zweiten hervorgeht. 1. eine handgeschriebene Druckschrift, die nicht irgendwie, sondern verbindungsgünstig geschrieben wird. 2. eine Schreibschrift, in der die gelernten Druckbuchstaben verbunden werden. 3. die persönliche Handschrift, die sich mit der Zeit aus der gelernten Schreibschrift ergibt. – Wirklich neu ist nur die erste Schrift. (s. Andresen:Schreiben lernt man mit der Hand)

Wenn aber die Schreibneulinge sich die erste Schrift so aneignen, wie es der Grundschulverband will, besteht die große Gefahr, dass die Schreibschrift wie eine neue Schrift gelernt werden muss.

Handschrift ganz oben

Man braucht keine Handschrift mehr? Wer erfolgreich ist, tippt nur noch?

Ein großes Foto in der Südd. Zeitung vom 14. März 2012 beweist das Gegenteil. Da sieht man links und rechts die Finger eines Mannes. Sie halten ein Blatt Papier mit Schrift, manche Wörter gelb markiert. Das Papier ist Teil eines wirklichen Manuskripts, geschrieben mit der Hand (lateinisch manu) in einer selbstbewussten, gut lesbaren Handschrift. Dass die  Fingernägel erstaunlich kurz gefeilt sind, ist in unserem kleinen Bildausschnitt nicht zu sehen, aber man erkennt  in den wenigen, abgeschnittenen Zeilen eine eindeutige und zugleich persönliche Handschrift. Sie ist eindeutig, weil ihre Buchstaben denen einer Ausgangsschrift so ähnlich sind, dass wir sie sofort erkennen. Jedenfalls im Zusammenhang eines Wortes erkennen wir sie. Die Wörter erhellen sich ja auch gegenseitig, weil sie in denselben Kontext gehören. Wo von Risiken und Krisenländern die Rede ist, sind auch verminderte Qualität und Wertpapierkäufe zu erwarten und kann man, wiewohl nicht vom Fach, das abgekürzte Refinanzierungsvolumen erschließen.

Mit diesem Manuskript in der Hand hat im Festsaal der Bundesbank ihr Präsident die Jahresbilanz präsentiert. „In einer für Notenbanker ungewohnten Vehemenz kritisiert Weidmann die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) für marode Euro-Staaten.“ So heißt es am Tag darauf in der Südd. Zeitung. Und illustriert ist das mit dem Bild des Manuskripts des Präsidenten, das mehr Raum einnimmt als der Text des Artikels mit seinen rund 800 Wörtern. Man ahnt auf einen Blick, was der Text vergleichsweise umständlich andeutet, wenn er erklärt. „Weidmann schöpft sein Sendungsbewusstsein aus der Tradition  der Bundesbank, aus der Analysekraft einer äußerst selbstbewussten Belegschaft.“ Die Handschrift seines Manuskripts ist entschieden und glaubwürdig. Seine Gedanken brauchen keine glatte Maske aus gedruckter Fremdschrift.

Jetzt möchte ich gerne wissen, wie der kleine Jens Weidmann angefangen hat mit dem Schreiben. Hat seine erste Lehrerin mit Vorbild, Erklärungen, Geduld und Strenge ihm geholfen, sich eine kindliche Schrift zu erarbeiten, die mit ihm erwachsen werden konnte? Die uns heute schön und klar vor Augen führt: Da weiß jemand ganz genau, was er sagen will.