Das Problem ist die Vereinfachte Ausgangsschrift

Denn sie bereitet Kindern Lernschwierigkeiten. Eingeführt hat sie: Der Grundschulverband

In meinen ersten Jahren als Grundschullehrerin habe ich viel auf das gegeben, was mir im Studium begegnet ist. Ich hatte ja nichts anderes. Für den Schriftspracherwerb war das die damals noch neue Vereinfachte Ausgangsschrift (VA). Meine Hochschullehrer an der Universität Siegen, Hans Brügelmann und Erika Brinkmann, waren entschiedene VA-Befürworter. Sie wussten deren zahlreiche Vorteile überzeugend darzustellen. Ich glaubte ihnen.

Als Lehrerin in der Grundschule begann ich an der Vereinfachten Ausgangsschrift zu zweifeln. Was an ihr einfach sein sollte, erwies sich für viele Kinder als schwierig. Das Köpfchen-e, das Schleifen-s, die Luftsprünge, das häufige Absetzen belasteten Schreibfluss und Lesbarkeit. Eine ‚schöne‘ Handschrift war daraus kaum zu entwickeln. Oder lag das an mir, der noch jungen Lehrerin?

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Leichter und besser schreiben mit der Schulausgangsschrift

 

Nach Jahren der didaktischen Unzufriedenheit habe ich mich schließlich für die Schulausgangsschrift (SAS) entschieden und siehe da: Viele Kinder schreiben leichter und besser, auch schöner. Die SAS gab es schon zu meinen Studienzeiten, doch sie kam aus der DDR, das machte sie wohl irgendwie verdächtig. Jedenfalls hatte sie bei Brügelmann/Brinkmann keine Chance. Die Vereinfachte Ausgangsschrift war ihr non plus ultra.

Später wurden die angeblich empirisch belegten Vorteile der Vereinfachten Ausgangsschrift als pure Behauptung entlarvt. Doch das wurde von den VA-Protagonisten ignoriert. Sie behaupteten sich als Experten fürs Schreibenlernen und hielten stur an der VA fest, bis sie um 2010 abrupt alle verbundenen Ausgangsschriften für historisch überholt erklärten und seitdem im Aktionsbündnis mit dem Grundschulverband etwas propagieren, das sie Grundschrift nennen. Die ist eine Druckschrift aus unverbundenen Buchstaben, bei der die Kinder die Buchstabenverbindungen aus sich heraus entwickeln sollen: Kreativität statt Norm – so irgendwie.

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Noch nie Kinder eine Schrift gelehrt

 

Brinkmann&Brügelmann sind akademisch immer noch vorneweg. Doch ich werde ihnen nicht wieder folgen. Weiß ich doch heute, was ich damals als Studentin nicht einmal ahnte: Beide sind nie Grundschullehrer gewesen. Sie haben nie Kindern zu einer flüssigen und gut lesbaren Schreibschrift verholfen. Sie wissen nichts von den täglichen Mühen, die damit verbunden sind. Aber sie versprechen nun, Lehrer und Kinder von allen Mühen des Erlernens einer guten Handschrift zu erlösen – Scharlatane, die sie sind.

Tanja Kühn, Klassenlehrerin und Schulleiterin der Montessori-Grundschule in Ratzeburg/Sterley

 

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